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Sehr geehrte Damen und Herren,
der heutige Tag ist nicht nur für Christian Zimmermann ein besonderer. Wenn er als persönliche Auszeichnung für sein Gesamtwerk die Anerkennungsurkunde der Talgemeinschaft Sarganserland in Empfang nehmen darf, so ehrt das auch den Ort seines Wirkens, die alte Hammerschmiede in Mühlehorn. So freut es mich ausser-ordentlich, Ihnen als Stiftungsrat dieses Kleinods am Meerenbach etwas über Christian Zimmermann, sein Wirken und die Hammerschmiede zu erzählen.
Es ist bekanntlich so, dass die Beziehung zu Künstler und Kunstwerken eine ganz andere Dimension bekommt, wenn man die Person, die dahintersteht, besser und persönlich kennt. Deshalb möchte ich Ihnen bei dieser Gelegenheit Christian Zimmermann etwas näher bringen und dazu gehören ein paar Daten:
Unser Künstler wurde am 24. Juli 1966 in Tübingen geboren. Die Talente zu seinem Beruf wurden ihm buchstäblich in die Wiege gelegt. Sein Vater ist Mitglied von der – das darf man sagen – weltbekannten Schmiededynastie Zimmermann. Christian ist Deutsch-Schweizer-Doppelbürger, denn seine Mutter, eine geborene Diener ist Schweizerin.

Von 1984 – 87 erlernte er bei Schmiedemeister Längerer in Leonberg das Schmiede-handwerk und alle Bereiche der Metallverarbeitung. Es waren nicht nur Gittertüren, Nutz- und Ziergegenstände, die er schuf. Zu seinen besonderen Arbeiten gehörte auch das Fürstengrab in Hochdorf. Bei der Abschlussprüfung wurde er Landessieger.
1989 trat er ins väterliche Atelier ein, wo Kunstschmiede aus England, den USA, aus Australien, der Schweiz, Tschechien, Japan und Deutschland beim Meister Erfahrungen holten. Viermal nahm Christian Zimmermann an Weltschmiede-konferenzen teil, unter anderem in Milwaukee USA und in Cardiff GB.
1993 ergab sich der Glücksfall für unsere Stiftung, als Christian die alte Hammer-schmiede in Mühlehorn übernahm. Als Mitglied des Stiftungsrates hatte ich ab damals Gelegenheit, zu verfolgen, wie Christian den Stahl, den ich ihm damals als Stahlhändler starr und unbeweglich lieferte, zum Leben erweckte, ihn erglühen liess, bearbeitete, jedem Kunstwerk ein Stück seiner Persönlichkeit mitgab, ihm ein wenig Seele einhauchte.

Bevor Christian zum Prozess des Schmiedens mit all den Vorbereitungen schreitet, geht in ihm ein innerer Prozess vor. Er identifiziert sich mit dem Auftraggeber, dem Empfänger oder dem Verwendungszweck. Die Form nimmt Konturen an, ehe der erste Schlag getan ist. Jedes Stück erlebt so seine eigentliche Geburt. Unter virtuosen Schlägen tanzen und singen die Hämmer wie von selbst, aber von seinem Geist geführt und verwandeln den Vierkant zu jener Komposition, die letztlich zum Kunstwerk wird, welches wir bestaunen. Die Improvisation, die sich dazugesellt, ist spontan, die Zeit bemessen, denn das Eisen will geschmiedet sein, solange es glüht.
Viele male schon habe ich den Schmiedevorgang und Christian dabei beobachtet. Immer war es anders, eben weil die Stimmung und die Seele mitschwingen. Immer war es grossartig, ja oft feierlich. Staunend durfte ich so manche Geburt erleben, die Geburt von Dingen, die etwas aussagen, die aber auch Spielraum zum meditieren lassen.
Christian Zimmermann empfängt an seiner Wirkungsstätte regelmässig Besucher. Wenn er dann über seinen Beruf erzählt, kommt er richtig ins schwärmen. Dabei passt er sich immer vorzüglich an, ob seine Zuhörer und Zuschauer Kinder, Erwach-sene, Fachleute oder Laien sind. Herrlich, wie er da in Fahrt kommen kann. Sobald er aber zum schmieden übergeht, vergisst er alles um sich herum, da ist er nur noch eins mit den Elementen Feuer und Eisen, mit seiner innerlichen Vorgabe, mit der erlernten und ausgefeilten Technik, mit seiner Improvisation und mit seinen Häm-mern, die rhythmisch und singend verwandeln, formen und übertragen. Ein fast hei-liger Moment, diese Geburtsstunde, ein Erlebnis, das ich Ihnen allen gönnen würde.
Unser Dorfschmied aus meiner Jugendzeit war ein Muskelprotz, der viel Respekt einflösste, ein Grobian auch im Umgang mit Mensch und Tier. Seine Oberarme waren sein Markenzeichen, seine Sprüche machten alles klar. Christian ist da ganz anders. Die innerlich gereiften Ideen scheinen seine Hämmer zu beflügeln, kaum ist Kraft zu spüren. Wer Zugang zu seinem facettenreichen Inneren bekommt, wird ungeheuer bereichert, da öffnen sich Welten. Reden Sie mit ihm: er ist ja heute da. Suchen Sie ihn auf! Und Sie haben Gelegenheit dazu. Am Samstag, 17. Mai von 9 bis 18 Uhr lädt die Hammerschmiede wieder einmal zu einem Tag der offenen Türe mit Schmiededemonstration, zu dem ich Sie ganz herzlich einlade. Auch das Atelier wird geöffnet sein. Eine besondere Ehre wird ihm auch zuteil, wenn er Mitte August bis Ende September dieses Jahres beim Kultursender DRS 2 in Basel seine Werke in einer Einzelausstellung zeigen darf und in diesem Zusammenhang über ihn und sein Schaffen sicher in den Medien vermehrt berichtet wird. Auch zum Besuch dieser Ausstellung sind sie herzlich eingeladen.
In den vergangenen 10 Jahren seines Wirkens in der Hammerschmiede hat Christian Grossartiges geleistet. Viele sakrale und profane Werke hat er in dieser Phase geschaffen, viele Auftragsarbeiten zur Begeisterung der Besteller vollendet. Um einige wenige der vielen hervorzuheben, erwähne ich die Leuchtskulptur der Kirche Schwanden, das Wandrelief am Hauptsitz der Glarner Kantonalbank in Glarus, oder seine Arbeit beim Waffenplatz Wichlen in Elm. Auch private Besitzer über die Kantons- und Landesgrenze hinaus, sind heute stolze Besitzer von Arbeiten aus dem Hause Zimmermann. Auch mein Haus in Schänis zieren handgeschmiedete Fenstergitter aus der Hammerschmiede und das Tor, welches Christian für unsern Garteneingang entwarf und anfertigte, ist ein Meisterstück.
In seiner Galeriearbeit kommt die ständige Suche und Entwicklung grossartig zum Ausdruck. Ein ganz besonderes Standbein sind die weit über die Grenzen hinaus bekannten und beliebten Teamschmiedeseminare. Er schmiedet symbolisch nicht nur Kaderleute aus Chefetagen zu einem verschworenen Team zusammen, er erklärt ihnen den Vorgang des Lochens, Spaltens, Biegens und Drehens und fragt die werkende Runde von Zeit zu Zeit, welche ästhetischen Effekte sie sich vom Arbeitsgang erhoffen. Damit löst er animierende und manchmal auch hitzige Diskussionen aus. Christian lässt sie als Produkt dieses Prozesses eine Eisenskulptur schmieden, die sie dann an ihrem angestammten Arbeitsplatz wieder an dieses Erlebnis erinnert und ermuntert. Die Wirkung ist nachhaltig und dutzend-fach belegt. Auch Familienangehörige von begeisterten Seminarteilnehmern haben von Christian individuelle Kunstwerke als persönliche Geschenke anfertigen lassen. Wie solche Überraschungen dann ankommen, können sie sich vorstellen.
Ich komme zum Schluss und danke den Verantwortlichen der Sarganserländischen Talschaft von Herzen, dass Sie Christian Zimmermann heute den Anerkennungs-preis zusprechen. Er hat ihn durch sein grossartiges Schaffen redlich verdient. Mühlehorn liegt geografisch am untersten Teil der Talgemeinschaft. Schön, wenn sie ihm durch diesen Akt das Tor für Entfaltungsmöglichkeiten in ihrer Region weit öffnen. Bei ihm ist die Kunst mit seinem Handwerk gemacht, ohne Kunsthandwerk zu sein. Er begreift sein Schmieden als seine Sprache, als seine Möglichkeit, sich mitzuteilen. Es liegt nicht in seiner Natur, mit dem Finger zu zeigen, oder gar zu moralisieren. Viel wichtiger ist das individuell Erfahrende und die Entwicklung daraus. Das was Aussenstehende in seinen Arbeiten sehen, hat für ihn immer Gültigkeit, die Information wird gefärbt durch das Gefäss des Betrachters und man erfährt viel über sich selbst und seine Wertigkeiten.
Ich gratuliere Christian Zimmermann ganz herzlich. Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle aber auch seiner Frau Roswitha, die ihn in seinem Schaffen grossartig unterstützt, ihm den Rücken freihält und ihm allen Bürokram abnimmt. Ich freue mich über den heutigen Tag, wünsche der Familie Zimmermann für die Zukunft alles Gute und danke ihnen, meine sehr verehrten Damen und Herren für ihre Aufmerksamkeit.
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