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Der Hammer fällt, Funken sprühen, das Eisen singt. In stetem Rhythmus
folgt Schlag auf Schlag, mit voller Kraft. Dann kehrt Ruhe ein in der
alten Hammerschmiede am Walensee. Christian Zimmermann (38) schiebt das
Ende der Stahlstange wieder ins Feuer der Esse. «Ein Schmied hat nur
eine Minute Zeit, um sein Eisen zu schmieden», sagt er. «Er muss genau
wissen, was er machen will, und darf nicht zögern beim Zuschlagen.» Wie
Jahrhunderte vor ihm schon andere Schmiede in Mühlehorn GL, wie
Jahrtausende vor ihm schon der griechische Gott Hephaistos, der
Erfinder der Schmiedekunst, der dank seiner handwerklichen
Geschicklichkeit nach seiner Verstossung wieder im Olymp aufgenommen
wurde. Denn er war ja hochwohlgeboren, der Sohn von Hera und Zeus, dem
hierarchisch höchsten Paar im griechischen Olymp.
Christian Zimmermann, obwohl aus einer international sehr renommierten
Schmiededynastie stammend, bezeichnet seine zehnjährige Tochter Hera
zwar nicht als hochwohlgeboren, doch mit sichtlichem Vergnügen erzählt
er: «Meine Frau Roswitha und ich schwankten vor ihrer Geburt zwischen
zwei Namen - Hera und Salome. Als die Kleine dann auf die Welt kam und
wir ihre Stärke spürten, wussten wir sofort: Sie ist eine Hera.» Die
Tochter trage ihren ungewöhnlichen Namen mit Stolz, auch im kleinen
Mühlehorn, in das es die deutschstämmige Familie 1994 verschlagen hat.
Und das kam so: Christian Zimmermann aus Pielzhausen bei Tübingen (D)
wollte sich nach einer mit Bravour abgeschlossenen Lehre und einigen
Jahren in der Schmiede seines Vaters selbständig machen. Zufällig hörte
er - dank seiner Mutter ist er auch Schweizer Bürger - von der leer
stehenden Hammerschmiede am Walensee. «Sie wurde bis 1973 noch
betrieben, sodass selbst nach fast 20 Jahren nur wenige Reparaturen
anfielen», erzählt er - und schaut sich glücklich um in der alten
Schmiede mit dem knarrenden Holzboden, den Hämmern, Zangen und
Eisenstangen an der Wand, dem riesigen Blasbalg.
1300 Grad heiss
Gedämpfte,
warme Farbtöne domi-nieren, nur das kräftige Grün der Wiese vor dem
Fenster und das grelle Gelb des Gehörschutzes setzen Farbakzente. Zwei
Feuerstellen beherrschen den Raum, dazwischen ein Becken mit Wasser zum
Abkühlen des Eisens, davor der wuchtige Amboss. Schon mit zwölf Jahren
war Christian Zimmermann fasziniert von der heissen Glut, durfte in
Vaters Schmiede das Feuer anmachen und unterhalten: «Genau 1300 Grad
muss es erreichen, damit das Eisen formbar wird, was nur durch eine
ausreichende Luftzufuhr in der Esse gelingt.» Feuer ist seither seine
grosse Leidenschaft, denn Feuer sei eines der wichtigsten Geschenke der
Götter. Ohne Feuer keine Schmiede und ohne Schmiede keine Werkzeuge,
die den Menschen das Überleben sichern. Werkzeuge stellt er heute zwar
keine mehr her, stattdessen Gartentore, Treppengeländer, Tische,
Stühle, Spiegel, Kirchenleuchter oder kleinere Gegenstände wie
Kerzenständer, Schrank- und Türgriffe. Vieles entsteht nach den
Wunschvorstellungen der Kunden, etliches aber auch nach eigenen Ideen.
Er nennt solche Kreationen seine «Träume in Eisen», so wie
beispielsweise die kunstvoll geschwungenen Souflaki-Spiesse, die er
spontan für diesen Beitrag fertigte.
Mit Souflaki kennt sich Christian Zimmermann nämlich genauso gut aus,
wie er das Kunsthandwerk des Schmiedens beherrscht. Denn privat ist die
Mittelmeerkultur in seinem Leben seit je sehr zentral. Er und seine
Frau Roswitha sind beide in kleinen Dörfern bei Tübingen aufgewachsen,
einem beliebten Einwanderungsgebiet für Familien aus Nordgriechenland.
«Wir haben mit deren Kindern die Schule besucht, wurden in den Familien
grossherzig aufgenommen, wir haben zusammen gekocht und gefeiert.»
Roswitha lebte damals in Altdorf links des Nekars, wo sie zusammen mit
ihrer Freundin Simi viele Tänze Griechenlands studierte. Rechts des
Nekars entdeckte Christian gleichzeitig die Kochkunst der Hellenen -
und wurde von den Griechen in die Geheimnisse des einzig richtigen
Souflaki eingeweiht. Vielleicht war es diese gemeinsame Leidenschaft
für Griechenland, die sie beide Mitte der Siebzigerjahre in der Disco
füreinander entflammen liess. Und obwohl ihn Roswitha in der
Organisation des Demonstrationsschmiedens, der Teamschmiedeseminare für
Firmen tatkräftig unterstützt, gilt in der Küche griechische
Arbeitsteilung: Roswitha bereitet das Tzatziki zu. Die Zubereitung des
Souflaki obliegt in- des Christian. Denn unter Griechen ist Grillieren
strikte Männersache.
Ruth Gassmann
Bilder: Hans Schürmann
MIGROS Magazin Nr. 32, 3. August 2004
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